Was lässt sich automatisieren? 25 Beispiele aus dem Mittelstand

Automatisieren lässt sich jeder Ablauf, der einen klaren Auslöser hat, nach festen Regeln läuft und mit Daten arbeitet, die schon in einem System stehen. Das trifft auf mehr Arbeit zu, als die meisten Geschäftsführer vermuten, und auf weniger, als die Werbung verspricht.
Die Frage „Was lässt sich bei uns eigentlich automatisieren?" hören wir in Erstgesprächen immer wieder. Die ehrlichste Antwort darauf ist eine Liste. Nicht, weil du alle 25 Beispiele brauchst, sondern weil du beim Lesen an drei oder vier Stellen denkst: „Das machen wir genau so, von Hand." Genau diese Stellen sind der Anfang. Liegen dazu im Erstgespräch die ersten Zahlen auf dem Tisch, hören wir am häufigsten diesen Satz: „Boah, okay, so viel Zeit geht gerade verloren? Das hätte ich nicht gedacht." Vor der Liste kommt ein kurzer Check mit drei Fragen, mit dem du jeden eigenen Ablauf prüfen kannst, und nach der Liste die Frage, womit du anfangen solltest.
Woran erkennst du, ob sich ein Ablauf automatisieren lässt?
Drei Fragen reichen für die erste Einschätzung. Beantwortest du alle drei mit Ja, lässt sich der Ablauf mit hoher Wahrscheinlichkeit automatisieren:
| Frage | Ja heißt | Nein heißt |
|---|---|---|
| 1. Gibt es einen klaren Auslöser? | Eine E-Mail kommt an, ein Formular wird abgeschickt, ein Datum ist erreicht, ein Status ändert sich | Der Ablauf startet, „wenn jemand dran denkt" |
| 2. Läuft er nach Regeln, die sich aufschreiben lassen? | Wenn A, dann B; bei Betrag über X Freigabe; bei Kunde Y Sonderpreis | Jeder Fall wird neu entschieden, ohne Muster |
| 3. Stehen die nötigen Daten in einem System? | CRM, ERP, Buchhaltung, Kalender, Postfach, Tabelle | Die Information ist nur im Kopf einer Person |
Wichtig ist der Unterschied zwischen Frage 2 früher und heute: Vor ein paar Jahren musste jede Regel exakt formulierbar sein. Inzwischen übernehmen KI-Agenten den Teil, der Text lesen, einordnen oder zusammenfassen muss, etwa „Ist diese E-Mail eine Rechnung, eine Bestellung oder eine Beschwerde?". Damit rutschen viele Abläufe, die früher an Frage 2 gescheitert sind, in die Spalte „Ja". Wie du die Abläufe findest, die bei dir am meisten Zeit kosten, zeigt Zeitfresser erkennen.
25 Beispiele: Was sich in fünf Bereichen automatisieren lässt
Jedes Beispiel nennt den Auslöser, was danach automatisch passiert und welcher Werkzeug-Typ das typischerweise übernimmt: eine Automatisierungsplattform wie Make.com oder n8n, ein KI-Agent oder ein kleines Stück eigene Software, also die drei Bausteine, die wir auf unserer Leistungsseite beschreiben. Alle 25 sind Muster, wie sie in Betrieben mit 10 bis 100 Leuten vorkommen. Nur zu einem Bereich nennen wir unten eine Zahl aus einem echten Kundenprojekt.
Backoffice und Buchhaltung
| # | Auslöser | Was automatisch passiert | Werkzeug |
|---|---|---|---|
| 1 | Rechnung kommt per E-Mail | Anhang wird erkannt, Betrag, Datum, Absender ausgelesen, Beleg in der Buchhaltung angelegt | KI-Agent + Plattform |
| 2 | Zahlung geht auf dem Konto ein | Passender Beleg wird zugeordnet, offene Posten aktualisiert, Sonderfälle zur Prüfung vorgelegt | Plattform |
| 3 | Monatsende | Offene Rechnungen werden gesammelt, Zahlungserinnerungen als Entwurf erstellt, Liste an die Buchhaltung | Plattform |
| 4 | Neuer Lieferant wird angelegt | USt-IdNr. wird geprüft, Stammdaten in ERP und Buchhaltung angelegt, Ablage-Ordner erstellt | Plattform |
| 5 | Mitarbeiter reicht Spesen ein | Beleg wird gelesen, Kategorie vorgeschlagen, Freigabe an die Führungskraft, Buchung vorbereitet | KI-Agent + Plattform |
Den Kern der Beispiele 1 und 2 nutzen wir selbst: Bei uns werden Belege aus dem Postfach erkannt, in der Buchhaltung angelegt und mit der passenden Kontobewegung verknüpft. So läuft unsere eigene Buchhaltung zu rund 90 Prozent automatisiert. GoBD-Pflichten und die Arbeit des Steuerberaters bleiben davon unberührt. Was das im Einzelnen bedeutet und wo die Grenzen liegen, steht in Buchhaltung automatisieren, und wie der Posteingang sortiert wird, bevor die Rechnung überhaupt erkannt wird, in Posteingang automatisieren.
Vertrieb und Angebote
| # | Auslöser | Was automatisch passiert | Werkzeug |
|---|---|---|---|
| 6 | Anfrage über das Kontaktformular | Anfrage wird eingeordnet, im CRM angelegt, dem passenden Vertriebler zugewiesen, Eingangsbestätigung versendet | KI-Agent + Plattform |
| 7 | Vertriebler wählt Produkt, Menge, Kunde | Preise, Rabattstaffeln und Zuschläge werden berechnet, Angebot als PDF erzeugt | Eigene Software |
| 8 | Angebot seit 7 Tagen unbeantwortet | Nachfass-E-Mail als Entwurf, Aufgabe im CRM, Hinweis an den Vertriebler | Plattform |
| 9 | Vertriebler spricht nach dem Kundentermin eine Sprachnachricht ein | Notiz wird transkribiert, zusammengefasst, im CRM eingetragen, nächste Schritte als Aufgaben angelegt | KI-Agent |
| 10 | Auftrag wird bestätigt | Auftrag im ERP angelegt, Rechnungsdaten übernommen, Projektordner erstellt, Team informiert | Plattform |
Beispiel 7 ist der Klassiker, der aus einer überladenen Excel-Datei mit Dutzenden Tabellenblättern entsteht. Wie so ein Ablauf aufgebaut wird, zeigt Angebote automatisch erstellen.
Kundenservice und Auftragsabwicklung
| # | Auslöser | Was automatisch passiert | Werkzeug |
|---|---|---|---|
| 11 | Kunde schreibt eine E-Mail an den Support | Anliegen wird eingeordnet (Frage, Reklamation, Bestellung), Ticket angelegt, Standardfragen als Antwortentwurf beantwortet | KI-Agent |
| 12 | Kunde fragt „Wo ist mein Auftrag?" | Status wird aus der Warenwirtschaft gelesen und als Antwort vorbereitet, ohne dass jemand im System suchen muss | KI-Agent |
| 13 | Bestellung geht im Shop ein | Daten werden geprüft, an Warenwirtschaft und Versand übergeben, Ausnahmen zur Freigabe vorgelegt | Plattform oder eigene Software |
| 14 | Reklamation wird angelegt | Rücksendeschein erzeugt, Ersatz oder Gutschrift vorbereitet, Kunde informiert, Fall zur Freigabe | Plattform |
| 15 | Lieferung wird zugestellt | Kunde bekommt Bestätigung, nach sieben Tagen eine Bitte um Bewertung, bei Problemen ein Ticket | Plattform |
Beispiel 11 und 12 lohnen oft den ersten Blick, weil dort dieselben Fragen täglich neu beantwortet werden. Was ein KI-Agent im Support wirklich übernehmen kann und was beim Menschen bleibt, steht in Kundensupport automatisieren.
Marketing und Partner
| # | Auslöser | Was automatisch passiert | Werkzeug |
|---|---|---|---|
| 16 | Neuer Blogartikel wird veröffentlicht | Zusammenfassung, Social-Media-Entwürfe und Newsletter-Absatz werden erstellt und zur Freigabe vorgelegt | KI-Agent |
| 17 | Neuer Newsletter-Abonnent | Willkommensserie startet, Kontakt im CRM angelegt, Quelle vermerkt | Plattform |
| 18 | Monatsanfang | Website-, Anzeigen- und Newsletter-Zahlen werden abgeholt, verglichen und als Bericht in Klartext zusammengefasst | KI-Agent + Plattform |
| 19 | Partner meldet sich für ein Affiliate-Programm an | Prüfung, Freischaltung, Zugangsdaten, Onboarding-Mail, Eintrag in der Partnerliste | Plattform |
| 20 | Kunde hinterlässt eine Bewertung | Bewertung wird erkannt, Antwortentwurf erstellt, bei Kritik Hinweis an die Verantwortliche | KI-Agent |
Einen ähnlichen Bereich haben wir in einem Kundenprojekt umgesetzt: Dort ist die Verwaltung von über 800 Partnerschaften von rund 30 Stunden pro Woche auf etwa 15 Minuten geschrumpft. Mehr zu diesem Bereich in Marketing-Automatisierung.
Personal und interne Abläufe
| # | Auslöser | Was automatisch passiert | Werkzeug |
|---|---|---|---|
| 21 | Bewerbung geht ein | Unterlagen werden zusammengefasst, Eingangsbestätigung versendet, Termin-Vorschlag an die Fachabteilung | KI-Agent + Plattform |
| 22 | Neuer Mitarbeiter unterschreibt | Zugänge werden angelegt, Ausstattung bestellt, Einarbeitungsplan mit Terminen erstellt | Plattform |
| 23 | Urlaubsantrag wird gestellt | Vertretung geprüft, Freigabe an die Führungskraft, Kalender und Abwesenheitsliste aktualisiert | Plattform |
| 24 | Mitarbeiter stellt eine Frage zu internen Regeln | Antwort aus dem Handbuch, das als Wissensbasis hinterlegt ist, mit Verweis auf die Quelle | KI-Agent |
| 25 | Wöchentlicher Termin | Offene Aufgaben aus allen Tools werden gesammelt und als Wochenübersicht an das Team geschickt | Plattform |
Diese fünf werden oft unterschätzt, weil sie nicht direkt Umsatz bringen. Sie kosten aber jede Woche dieselben Stunden, und mehrere davon erfüllen alle drei Kriterien aus dem Check oben.
Womit solltest du anfangen?
Nicht mit dem größten Beispiel, sondern mit dem, das drei Eigenschaften hat: Es kommt oft vor, es folgt klaren Regeln, und ein Fehler ist nicht teuer. Oft ist das der Posteingang oder die Belegerfassung. Wer damit anfängt, hat nach wenigen Wochen ein Ergebnis, das das Team sieht, und dann fällt das zweite Beispiel leichter als das erste. Wie so ein Einstieg als Sprint abläuft, steht auf unserer Leistungsseite, was er kostet, in Was kostet Automatisierung?.
Zwei Warnungen aus unserer Praxis: Erstens, automatisiere keinen Ablauf, den du nicht vorher aufgeräumt hast. Ein chaotischer Prozess wird durch Automatisierung nur schneller chaotisch. Zweitens, lass bei allem, was das Haus verlässt oder Geld bewegt, in den ersten Wochen einen Menschen freigeben. Die Freigabe kostet Sekunden, ein falsch versendetes Angebot kostet einen Kunden.
Häufige Fragen
Was lässt sich in kleinen Unternehmen automatisieren?
Dieselben Abläufe wie in großen, nur mit kleineren Werkzeugen. Ein Betrieb mit 15 Leuten braucht kein Großprojekt. Oft reicht eine Automatisierungsplattform, bei Bedarf mit einem KI-Agenten, die Postfach, Buchhaltung und CRM verbindet. Die Beispiele 1, 3, 6, 8 und 23 sind für kleine Betriebe die leichtesten Einstiege, weil sie nur wenige Programme verbinden. Entscheidend ist, dass die beteiligten Programme Schnittstellen haben, und das haben die meisten gängigen Tools heute.
Was lässt sich nicht automatisieren?
Alles, was eine Einschätzung braucht, die nicht in Regeln passt: Verhandlungen, Personalentscheidungen, kreative Arbeit, der Umgang mit einem verärgerten Kunden. Auch Abläufe, deren Daten nur im Kopf einer Person stehen, lassen sich nicht automatisieren, solange das so bleibt. Die Automatisierung übernimmt das Vorbereiten, Sortieren und Weiterleiten. Die Entscheidung bleibt beim Menschen.
Brauche ich für Automatisierung eigene Software?
Meist nicht. Die meisten der 25 Beispiele laufen auf einer Automatisierungsplattform wie Make.com oder n8n, die bestehende Programme über ihre Schnittstellen verbindet, oder über einen KI-Agenten, der in deinen Systemen nachschaut. Eigene Software wird es erst, wenn ein Ablauf eine eigene Oberfläche braucht oder ein System keine Schnittstelle hat, wie beim Angebotskalkulator in Beispiel 7. Welche der drei Varianten wann passt, steht auf unserer Leistungsseite.
Was ist der Unterschied zwischen Automatisierung und KI-Agent?
Eine Automatisierung folgt festen Regeln: Wenn eine Bestellung eingeht, dann lege sie im ERP an. Ein KI-Agent kann zusätzlich lesen, einordnen und formulieren: Er erkennt, ob eine E-Mail eine Beschwerde ist, und schreibt einen Antwortentwurf. In der Praxis arbeiten beide zusammen, der Agent versteht den Fall, die Automatisierung erledigt die Schritte danach. Mehr dazu in Geschäftsprozesse mit KI automatisieren.
Wie viel Zeit spart Automatisierung wirklich?
Das hängt davon ab, wie oft der Ablauf vorkommt und wie viele Handgriffe er hat. Ein Ablauf, der zehnmal am Tag drei Minuten kostet, bringt eine halbe Stunde täglich zurück, ein Monatsbericht, der einen Nachmittag braucht, einen Nachmittag im Monat. Deshalb lohnt es sich, vor dem ersten Projekt die eigenen Zeitfresser zu messen, statt zu schätzen.
Der nächste Schritt
Wenn du beim Lesen bei drei oder vier Beispielen gedacht hast „das machen wir genau so, von Hand", ist das der Moment, die eigenen Zahlen zu ermitteln. Genau das machen wir in der kostenlosen Zeit-Potenzial-Analyse: 45 Minuten, kein Verkaufsgespräch, und du gehst mit deinen drei größten Zeitfressern, dem Sparpotenzial in Stunden und einer Empfehlung raus, womit du anfangen solltest. Auch wenn du danach nichts mit uns machst.


